Die 72er-Formel

Vielen Menschen fehlt bei ihrer Geldanlage ein Stück weit die Orientierung, wieviel Zinsen sie für ihr angelegtes Geld bekommen müssten, damit sie ihr Anlageziel auch erreichen. Oder falls es (noch) kein Anlageziel gibt (es wäre allerdings sinnvoll, eines zu haben), zumindest eine grobe Einschätzung in Sachen Kapitalaufbau zu haben. Hierbei kann die 72er-Formel eine schnelle und einfache Hilfe sein! Wie also funktioniert diese Formel?

72 geteilt durch den Zins, den wir für unsere Geldanlage bekommen, ergibt die Zeit, in der sich unser Geld einmal verdoppelt. Das heißt: Bei einem Prozent Zins verdoppelt sich das Geld nach 72 Jahren. Bekomme ich zwei Prozent Zinsen auf meine derzeitige Geldanlage, verdoppelt sich mein Geld nach 36 Jahren.

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Dank dieser Formel muss man kein großer Rechenkünstler sein um zu verstehen, dass ich mit ein oder zwei Prozent Zinsen keine Chance habe, genügend Kapital aufzubauen. Der „Verdoppelungs-Zeitraum“ ist eben einfach zu groß. Selbst bei 4% und einer „Verdoppelung“ alle 18 Jahre wird es für die meisten eng, zumal wir ja auch noch Steuern auf unsere Gewinne zu zahlen haben und die Inflation berücksichtigt werden muss. Es sollte daher bei der langfristigen Geldanlage (zum Beispiel der privaten Altersvorsorge) also schon in Richtung 6% gehen. Und jetzt werden sicherlich viele zurecht Fragen, wie das in Zeiten der „Nullzins-Politik“ funktionieren soll!? Die Antwort ist einfach, auch wenn sie vielen nicht gefallen wird: Durch mehr Schwankungen bei der Geldanlage! Der ein oder andere denkt jetzt bestimmt: „Da bleibe ich lieber bei meinen niedrig verzinsten Geldanlagen, da ist es wenigsten sicher.“ Das kann er natürlich auch gerne tun. Die meisten Bürger können sich dann aber auch sicher sein, dass ihr Privatvermögen kaum ausreichen wird, um beispielsweise die immer größer werdenden Rentenlücken zu schließen. Sie haben – quasi „kampflos“ – bereits verloren.

Grundsätzlich sind „Schwankungen bei der Geldanlage“ gar kein Problem, sofern ich die passenden Regeln der Geldanlage kenne und anwende. Es ist ähnlich wie beim Autofahren, mit den entsprechenden Verkehrsregeln fährt es sich deutlich sicherer. Also nicht die Schwankungen sind das Problem, sondern wie wir damit umgehen! Wäre es daher nicht clever, sich ein wenig näher mit diesem Thema zu beschäftigen, um die notwendigen Anlageregeln zu verstehen? Es ist einfacher als die meisten denken und die Chancen stehen gut, dabei Lösungen für mich und mein Geld zu finden!

Der Glaube an die Garantie!

Ein großer Teil der Sparer in Deutschland möchte sein Geld bei der Geldanlage am liebsten mit einer „Garantie“ versehen. Eine Garantie, dass das eingezahlte Geld erhalten bleibt oder mit einem garantierten Zins verzinst wird. Am besten beides gleichzeitig! Mit den sogenannten „Garantieprodukten“ wird dann auch seitens der Finanzindustrie mächtig geworben, denn diese lassen sich eben gut verkaufen. An dieser Stelle sollte eine Frage erlaubt sein: „Ist es überhaupt sinnvoll, sein Geld langfristig in solche Produkte anzulegen?“ Zumindest für den größten Teil der Sparer in Deutschland würde ich diese Frage mit einem klaren NEIN beantworten! Wenn mir eine Bank oder Versicherung einen garantierten Zins auf meine Geldanlage verspricht, dann wissen die Finanzinstitute in aller Regel, dass sie aus meinem Geld (welches ich in deren Produkte einzahle) garantiert mehr machen. Ansonsten würden mir diese erst gar keine Garantie anbieten! Der Kunde bekommt also lediglich den vereinbarten Zins und ist zufrieden. Wie sagt der Volksmund so schön: „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“. Das Problem dabei ist, dass der „Spatz“ (also der Garantiezins) faktisch abgeschafft wurde. Es gibt so gut wie keine Garantie-Zinsen mehr und das wird wohl auch erst einmal so bleiben. Wie aber sollen wir ohne eine vernünftige Verzinsung unseres Geldes Kapitalaufbau schaffen? Ein weiteres Problem aus Kundensicht ist, dass die Bank oder Versicherung als „Garantiegeber“ auch die „Garantieregeln“ bestimmt. Diese Regeln befinden sich dann im „Kleingedruckten“ der Produktverträge und sind natürlich zu Gunsten der Finanzinstitute ausgelegt. Ein schönes Beispiel sind die „alten“ Bausparverträge, welche noch mit einem Garantiezins von 4% versehen sind. Diese Verträge wurden abgeschlossen, als die „Zinswelt“ noch in Ordnung war. Jetzt, wo selbst die Anlage-Profis der Bausparkassen die 4% nicht mehr erwirtschaften können, bekommen die Kunden ihre Bauspar-Verträge einseitig gekündigt. Was also nützt mir dann meine Garantie? Wie schon gesagt, bei Garantieprodukten gewinnt meistens die Bank oder Versicherung! Nicht umsonst besagt eine alte „Geld-Weisheit“: „Garantien kosten Geld“. Wie wäre es also, wenn wir statt auf „Garantien“ bei unserer Geldanlage auf „Sicherheit“ setzen? Mit einfachem Basis-Wissen in Sachen Geld können wir diese Sicherheit selbst realisieren und nebenbei, trotz „Nullzins-Politik“, den für uns so wichtigen Kapitalaufbau schaffen!