Warum tun sich viele beim Thema Geld so schwer?

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Die einfachste Antwort vornweg: Weil uns niemand je erklärt hat, wie Geld funktioniert!

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung veröffentlichte vor kurzem eine groß angelegte Studie zum Thema „Finanzbildung in Deutschland“ – mit erschreckendem Inhalt: Konnte die eine Hälfte der Teilnehmer zumindest „minimales Wirtschaftswissen“ nachweisen, hatte die andere schlichtweg keinen Schimmer. Woher sollten die Kenntnisse auch kommen? In der Schule werden wir zwar ausgebildet, um mit unseren Fertigkeiten und Kenntnissen einmal Geld zu verdienen, eine Ausbildung für den Umgang mit Geld bekommen wir dort in aller Regel aber nicht.

Als die OECD beim jüngsten Pisa-Test dazu aufrief, Schüler erstmals auch zu ihrem Wissen über „Wirtschaft und Finanzen“ zu befragen, machten 18 Staaten mit – Deutschland nicht, offenbar aus Angst vor einer Blamage. OECD-Generalsekretär Angel Gurría rügte das deutsche Bildungswesen und wies darauf hin: „Die Entwicklung von Finanzkompetenz ist entscheidend, weil Menschen künftig wesentlich früher Entscheidungen treffen müssen, die ihre Zukunft beeinflussen.“ Andere OECD-Staaten sind hier wesentlich weiter.

Verstanden. Wir sind nicht genügend finanzgebildet. Und jetzt?

Von Natur aus sind wir darauf programmiert, in verwirrenden Situationen entweder zu flüchten oder zu kämpfen. Wir haben die Tendenz zu vermeiden, was wir nicht verstehen. Da kämpfen in diesem Bereich in der Regel wenig bringt, weichen wir also meist aus und kümmern uns einfach nicht aktiv um unser Geld.

Und dann sind da ja auch noch unsere GEFÜHLE!

Die meisten Menschen unterschätzen, in welchem Maß persönliche innere Einstellungen mitbestimmen, wie wir über Geld denken und reden. Vieles davon wurde bereits in unserer Kindheit angelegt, stammt von den Eltern oder Großeltern. So galt etwa in manchen Familien Geld als schmutzig, in anderen wurde die Ansicht vertreten, Geld verderbe den Charakter oder Menschen mit Geld könnten niemals Freunde, sondern immer nur Neider haben. Es kann sehr aufschlussreich sein der Frage nachzugehen, welchen übernommenen Regeln und Beschränkungen wir im Hinblick auf das liebe Geld anhängen, ohne uns derer wirklich bewusst zu sein.

(Nur mal am Rande: Wären wir als Franzosen oder Italiener auf die Welt gekommen, hätten wir schon früh gelernt, dass wir das Geld für unseren Lebensunterhalt später einmal (fröhlich und leicht) „gewinnen“ (frz. „gagner de l‘argent“, ital. „guadagnare denaro“), anstatt es uns – typisch Deutsch – (mühsam dienend) „verdienen“ zu müssen!)

Auch Erwartungen spielen eine Rolle. Welche Hoffnungen im Hinblick auf unsere Zukunft verbinden wir mit Geld? Es ist wichtig, sich klar zu machen, was Geld leistet und was nicht. Es kann unser Leben zwar angenehmer, uns aber nicht zufriedener und glücklicher machen. Vielleicht vermag es uns in einer schwierigen Situation zu helfen, unsere persönlichen Probleme löst es aber sicher nicht.

Den Wert eines anderen Menschen oder unseren eigenen Selbstwert am Geld zu messen, ist Unsinn. Denn der Geldbetrag, den wir besitzen, sagt wenig oder gar nichts darüber aus, wie erfolgreich wir als menschliche Wesen sind, und er bestimmt nicht notwendigerweise die Qualität unseres Lebens. Geld ist nur eine von vielen Variablen wie Talent, Fähigkeiten, Großzügigkeit, Klarheit, Liebe, Glück und anderem mehr.